Da bin ich wieder!

Die Geschichte vom ewigen hin und her, oder wie fange ich besser an?

Gott, fast ein Monat wo ich hier nichts geschrieben habe, das kann man nicht so einfach einholen, vor allem nicht weil mein Leben hier etwas spektakulärer ist, als es wahrscheinlich in Deutschland sein würde. Ich hatte keinen Internetzugriff und WordPress hatte kurzzeitig mein Konto gesperrt, soviel also dazu.

Fangen wir mit den einschneidensten, wichtigsten Themen an. Ich habe vor 4 Wochen das erste Mal die Gastfamilie gewechselt. Ja, genau die tolle Gastfamilie, mit den tollen Eltern und dem kleinen Kind. Warum? Weil die Nainai/Oma auch noch mit im Haus gewohnt hat und mich irgendwie wohl nicht sympathisch fand. Sie hat noch nie in ihrem Leben einen Ausländer gesehen und plötzlich tauchte ich auf und zog gleich ein. Meine alte Gastmutter hat sie auch nicht darauf vorbereitet, dass jetzt das andere Wesen, der Ausländer, Ich, einziehe. Und da ihre Antisympathie gegenüber mir den Familienfrieden gefährden würde, musste ich ausziehen. Nichts destotrotz finde ich die Familie immer noch sehr nett und habe auch immer noch mit ihnen Kontakt.

Dann war ich in einer Familie, bestehend aus Mutter, Vater und Tochter, die auf meine Schule geht. Achja, und der hyperaktiven , destruktiven Katze die durchgehend wie gestochen durch die Wohnung rennt und sich selber das Fell abkratzt, momentan aber rollig ist und sich nach Liebe sehnt.

Der erste Eindruck der Familie war ganz nett. Meine Schwester und ich teilen zwar nicht unbedingt viele Gemeinsamkeiten, aber hat ja nichts zu heißen, meine Gastmutter konnte mal Deutsch sprechen, vor 22 Jahren, mag es zu reisen, ist Profi in chinesischer Medizin und war extrem motiviert mir Chinesisch beizubringen und mein Gastvater ist It-Lehrer an der Uni und eigentlich ganz nett. Aber irgendwas ist falsch gelaufen. Sie haben nichtmehr mit mir geredet und angeguckt haben sie mich auch nichtmehr. Es sind zu viele Umstände auf einmal zusammen gekommen. Es gab Stress mit Yile, meiner Gastschwester, meine Gastmutter wurde krank und dann war da Ich… Es hat sie gestört, dass es mehr Gerichte gab, die ich nicht esse, als ich angegeben hatte und was sie vor allem noch sehr gestört hat, war das mein Chinesisch nicht so gut war und ihr Englisch, geschweige denn Deutsch auch nicht ist. Und dann gabs da noch andere Kleinigkeiten. Die Betonung liegt auf Kleinigkeiten.

Auch ich finde die Ein oder Anderen Dinge hier nicht so pralle, aber in dieser Situation ist der Austauschschüler der Depp und muss sich anpassen, egal ob hier das Essen 2 Tage lang unabgedeckt draußen steht und dann noch zum Essen angeboten wird. Aber dadurch, dass sie eh etwas gestresst ist, wird das mal eben zum Problem. Zum Einen denke ich mir, dass das normal ist, dass wenn man grade mal 2 Wochen zusammen wohnt, dass man sich kennenlernt Dinge über den jeweils anderen herausfindet. Zum Anderen denke ich, dass sie das mit den gelegentlich auftretenden Sprachproblemen auch vorher hätte wissen können. Und wenn es mit der einen oder anderen Sache Unstimmigkeiten gibt, dann macht man den Mund auf.

Soviel zur deutschen Theorie. In China läuft das eher nicht so. Direkt gesagt wird dir das eh nicht und wenn dann hinten über YFU, über 3 Ecken. Und wenn man sie dann doch darauf anspricht, was ich mir natürlich nicht entgehen lasse, dann werden irgendwelche anderen Gründe genannt, aber nicht die richtigen und zum Punkt gebracht wird das alles auch nicht. Soviel also dazu, vor 2 Tagen habe ich gewechselt, in eine Familie mit 8-jährigen Zwillingsbrüdern, Kinderfrau und Eltern, die wohl einen ziemlichen Wohlstand pflegen. Aber das ist wahrscheinlich nur ne temporäre Familie.

Währenddessen versucht die Familie im Süden, Dongguan, die Regierung doch noch zu überzeugen, dass ich zu denen ziehen kann. Mein Gott, mein Austauschjahr ist so facettenreich ;) Auf die Frage wie geht’s dir jetzt kann ich erstaunlicher Weise sagen, gut. Natürlich war an ein paar Tagen Land unter, aber sobald ich in der Schule war gings mir gut. Es gibt wohl eine magische Kraft, die mich davor bewahrt durchzudrehen. Also das mit den Gastfamilienwechseln an sich finde ich gar nicht so schlimm, ich fände es glaube ich etwas langweilig die ganze Zeit bei der gleichen Familie zu wohnen, aber sowas, muss dann auch nicht sein.

Was sonst noch so passiert.. Der vierte Advent ist vorbei, morgen ist Weihnachten und es sieht hier immer noch so aus wie Herbst. Temperaturen um die 2-7°C und an großen Kaufhäusern findet man die Weihnachtsdekorationen. Die aber, hier in China, überhaupt nicht wirken. Das Weihnachtspaket von meinen Eltern ist auch angekommen, mit den teilweise etwas zerdrückten Schokoladenweihnachtsmännern und Hallorenkugeln, aber ansonsten in ganz gutem Zustand und das nur innerhalb von 1 ½ Wochen. DHL.

Schule läuft, Chinesisch auch. Letzte Woche war ich mal krank gewesen, hab mir wohl irgendein Virus eingefangen, der mein Essen oben wieder raus befördert hat und mein Gleichgewichtsorgan zu Boden gedrückt hat, aber die YFU Regeln verbieten dir schließlich 1 ½ Tage ohne Krankenschein zu Hause zu bleiben. Aber für einen Tag hole ich mir sicher nicht in einem chinesischen Krankenhaus einen Krankenschein, wo ich erst einmal selber bezahlen muss. HAHA. Und irgendwie ist mir wohl das Essen heute in dem teuren Restaurant auch nicht so gut bekommen. Ich hoffe nur, dass das morgen wieder alles in Ordnung ist.

Ansonsten, wie schon erwähnt, wird es kalt hier. Kein Ding, ich hab ¾ meines monatlichen Taschengeldes schon für Winterklamotten ausgegeben, aber es ist eben nur so, dass du abgesehen von den Kaufhäusern und Starbucks kaum einen Ort hast, wo es richtig warm ist. Die Wohnungen haben keine Heizung und undichte Fenster und sind eventuell mit Klimaanalagen ausgestattet, die auch zum Heizlüfter umfunktioniert werden können. Von der Schule ganz zu schweigen, aber mit 56 Leuten in einem Raum, bei geschlossenen Fenstern und Türen wird das doch mal ganz schnell recht kuschlig. Aber zu Hause heißt das, das permanente Tragen des Wintermantels, gelegentlich auch beim Schlafen. Meine tägliche Ausstattung sieht so aus: 2 Tops, 1-2 Langarmshirts, einen Pullover und Wintermantel. Dazu noch den Schal und die 3 Paar Strümpfe bitte nicht vergessen, ein paar davon, die sexy braunen Männerwollsocken von H&M, Mhh! Von Montag –Freitag ersetze ich den Wintermantel und meine Hose natürlich durch die Winteruniform, die ich nach 5 Wochen doch endlich schon bekommen habe, die mich wie ein Schneemann aussehen lässt. Aber die Hose ist verdammt warm. Glücklicherweise besitzt meine neue Gastfamilie überall solche Art Klimaanlagen, die sogar mein Zimmer warm machen.

Kommen wir zu den wichtigen, kulturellen Zusatzinformationen.
Wie ihr sicher alle wisst, oder auch nicht, sind die Japaner im Jahre 1937 in China, bzw. Nanjing eingefallen. Mit dem Ziel in 3 Monaten ganz China einzunehmen und jeden einzigen Chinesen zu töten haben sie sich auf den Weg gemacht, sind natürlich gnadenlos gescheitert, haben aber trotzdem unverkennbare Spuren der Verwüstung hinterlassen, die auch heute immer noch auf den Herzen der Chinesen wiederzufinden sind. Vor allem haben sie in Shanghai und Nanjing gewütet. Warum gerade da? Shanghai, die damals und heute aufstrebende Metropole, und Nanjing, die damalige Hauptstadt Chinas. Die Japaner haben wahllos auf die Chinesen geschossen, haben Kinder und Frauen vergewaltigt und ermordet, Männer wurden gedemütigt und letztendlich auch erschossen. Es gibt Bilder die ein paar Japaner mit einem Lächeln zeigen, währenddessen sie Chinesen töten. Innerhalb von 3 Monaten haben sie 20-25 Millionen Menschen getötet. ¼ der Bevölkerung Deutschlands.

Apropos Deutschland. Es gab da einen heldenhaften Deutschen, der auch heute noch, lange nach seinem Tod großes Ansehen gebührt, sein Name ist John Rabe. Er hat zu der Zeit des Massakers in Nanjing gelebt und hat sich Verbündete gesucht und sich das Ziel gesetzt so viele Chinesen retten wie möglich. Er hatte ein etwas größeres Gelände, wo er jede Menge Chinesen Schutz gewährt hat. Warum war ihm das möglich? Weil Japan und Deutschland zu der Zeit Verbündete waren und somit die Japaner auf das Gebiet des Deutschen nicht einfallen durften. Heute steht mitten im Stadtzentrum, mitten in einem Kreisverkehr eine Statue John Rabes. Am 13.12.1937 ist Nanjing in die Hände der Japaner gefallen und deswegen gibt es jedes Jahr am 13.12. einen Alarm um dem Massaker zu Gedenken. Nicht, dass die Tat schon grausam genug war, viel schlimmer finden es die Chinesen, dass die Japaner sich, bis heute, nicht entschuldigt haben. Es gibt den einen oder anderen Soldaten aus der Zeit, der jedes Jahr nach Nanjing kommt und sich entschuldigt und Blumen niederlegt, aber es gibt keine offizielle Entschuldigung vom Staat.

All das Wissen habe ich mir angeeignet, als ich mit meinem YFU Helfer und Anna im Nanjing Massaker Museum war, welches extrem Eindrucksvoll ist. Am bewegendsten finde ich die Berichte der Überlebenden, die Schicksale des Einzigen. Eine Frau, die ihre 2 Kinder verloren hat, die von den Japanern vergewaltigt wurde und anschließend angeschossen wurde, die dabei ihr rechtes Bein verloren hat, aber anschließend noch 2 Kinder auf die Welt gebracht hat. Es gibt auch eine ganze Halle nur mit Skeletten. Knochen, die genau an der Stelle gefunden wurden. Knochen von Babys, Kindern und Erwachsenen. Im Gedenken an die Opfer der grausamen Taten der Japaner.

Noch was nebenbei, soll ich den Fotoblog, der leider unfreiwillig eine Pause einlegen musste weiterführen oder… soll ichs aufgeben?

In dem Sinne, die Weihnachts e-Mails folgen, Byebye!

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3 Antworten zu “Da bin ich wieder!

  1. Gisela und Siegfried

    Hi Kathi, Gott sei Dank, Du „lebst“ noch! Du erlebst in 4 Wochen mehr, als
    andere im ganzen Leben. Hast Du unsere mail erhalten? Sonst nochmal
    einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein ruhigeres Jahr 2012!!!!
    Deine Gisela und Siegfried.

  2. Frohe Weihnachten, Schnatti!
    Freuen uns, dass Du trotz aller Stolperfallen so optimistisch schreibst! Das macht Dich nur noch stärker!!!!!!! Wir reden oft über Dich (nur Gutes :-)) und erwarten weiterhin spannende Berichte aus dem uns fremden Land.
    Die Peschkes
    PS: Letztens kam im Deutschen Fernsehen eine Film über den von Dir erwähnten Herrn Rabe!

  3. Hallo Schnatti,
    halte durch !
    Schön von Dir wieder lesen zu können.
    Wir denken oft an Dich.
    Wir wünschen Dir aus der Ferne alles Gute zum Weihnachtsfest !
    Dani & Luc.

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