Erhu, Schokokuchen und Gastfamilie

Na meine Lieben? Wie geht’s euch?

Das Wochenende ist ran und ich hatte heute Nachmittag ausnahmsweise mal keinen Unterricht, weil der Jahrgang über uns morgen und übermorgen ein paar  von ihren Abschlussprüfungen schreiben und dadurch alle Lehrer total beschäftigt sind und unsere Räume umgeräumt werden müssen. Die Armen schreiben pro Tag 3 Prüfungen á… 90min. glaube ich.

Hab ich schon erwähnt, dass ich vor 2 Wochen angefangen habe Erhu(二胡) zu spielen? Erhu ist ein chinesisches Streichinstrument mit 2 Saiten. Sobald du den Bogen falsch hältst, gibt es ziemlich quietschende Geräusche von sich, ansonsten klingt es eigentlich recht gut. Es klingt eben chinesisch.

Ich hab mit Anna, der anderen Austauschschülerin von meiner Schule, 2-mal pro Woche Unterricht. Dienstags und freitags. Heute ist es leider ausgefallen, weil das Kind unserer Lehrerin krank ist. Anna und ich haben schon die Premium-Unterrichtvariante. Alternativ zu dem Zweierunterricht könnte man sich auch noch zu einer Gruppe von 5-10 Chinesen gesellen. Da die aber alle schon voll waren und immer nachmittags stattfinden haben wir die Premiumvariante genommen. Wirklich schwer zu spielen ist Erhu auch nicht. Ich freu mich schon, wenn ich euch mal was vorspielen kann ;)

Dazu kann ich euch noch ´ne nette Geschichte erzählen. Da wir heute früher Unterrichtsschluss hatten, hatte ich also noch genug Zeit um mal wieder durch den Park nach Hause zu spazieren. Ausländer, in Schuluniform, nachmittags mit Erhu in der Hand. Ist ja nicht so, dass sie mich sowieso immer anstarren, aber in Schuluniform und mit Erhu ist das immer noch was anderes. Jedenfalls laufe ich durch den Park, bin schon fast zu Hause angekommen, spricht mich eine Frau, Mitte 40, an. „Das ist ´n Erhu, richtig?“ –„Jap..“ –„Oh, Ich kann das auch spielen! Mein Vater auch!“ –„Oh, ehrlich? Seit wann hast du das denn gelernt?“ –„Seit ich klein bin! Gib mal her, ich kann dir das vorspielen!“ Nachdem ich kurz gezögert habe, ob ich auch wirklich mein Eigentum mit _fremden_ Menschen teilen soll, hab ich mich doch dafür entschieden. Ich hab mein Erhu ausgepackt und es ihr in die Hand gedrückt, sie hat mir etwas vorgespielt. „Und, wie findest du das Erhu?“ –„Ja, klingt nicht schlecht, ist eines der eher Besseren“ –„Wie viel würde denn ein ganz normales Erhu ungefähr kosten?“ –„Ja, von ein paar hundert bis zu ein paar Tausend Yuan. Wie viel hast du bezahlt?“ –„660yuan“ –„Für den Preis ist das Erhu nicht schlecht!“ Nebenbei hat sie mich natürlich auch noch nach meiner Nationalität gefragt, rumgewundert wie gut doch mein Chinesisch sei und das es erstaunlich ist, dass ich mich mit Chinesen unterhalten kann und mich für chinesische Kultur interessiere. Ein Ausländer unterhält sich mit einer Chinesin und die Chinesin spielt Erhu, das ist doch mal ein Blick wert. Prompt bildete sich eine Traube von Menschen um uns, die uns interessiert zuhörten. Nachdem ich mich von der Chinesin verabschiedet habe, kam doch glatt noch eine Schülerin auf mich zu und verwickelte mich in ein Gespräch. Jap. China.

Letzte Woche, als ich mal wieder im Coffeeshop saß und meine E-Mails, die sich immer ansammeln, beantwortet habe, ist mir auch wieder was Nettes passiert. Das Ereignis fand ich so lustig, dass ich es gleich danach in Word festgehalten habe:

 „Ich glaubs nicht. Da sitze ich doch heute tatsächlich im Starbucks um meine E-Mails zu beantworten und bekomme Gesellschaft von einem Chinesen. Da ich mit meiner Erkältung nicht unbedingt in der Stimmung war großartige Unterhaltungen zu führen wäre es mir recht gewesen, wenn er nichts gesagt hätte. Nach einer halben Stunde wendete er sich an mich und fing ein Gespräch an. Nachdem ich mit Unmengen von Informationen, die ich gar nicht wissen wollte zugespamt wurde machte er Andeutungen mich zum Essen einzuladen. Da ich aber ja so.. mh.. beschäftigt bin, habe ich leider keine Zeit. Kurze Zeit später kommt er mit 2 Stücken Kuchen zurück an unseren Tisch und lädt mich somit zu einem Stück Schokokuchen ein. Gleich danach setzt er seine Kopfhörer auf, nimmt Messer UND Gabel in die Hand, seziert damit zitternd seinen Schokokuchen und guckt nebenbei Jurassicpark. Tanja, ich korrigiere, das ist auf jeden Fall meine skurrilste Begegnung.“

Anstatt, dass er den Schokokuchen nutzt um nochmal eine Unterhaltung anzufangen, wendet er sich prompt wieder seinen Film zu. Verstanden habe ich es nicht, aber es war mir recht so. Auch wenn ich mich schlecht gefühlt habe, einen Schokokuchen vor mir stehen zu haben und nicht mit ihm zu reden. Seine Schuld.

Mesdames, ich werde übrigens nochmal die Gastfamilie wechseln müssen. Ich bin deswegen excited ziemlich genervt, weil es immerhin meine 5. Gastfamilie ist (plus die Familie im Süden, no.6) und ich keine Lust habe nochmal von vorne anzufangen. Es nervt eigentlich nur. Was lerne ich daraus? Ja, ins Ausland möchte ich auf jeden Fall nochmal! Aber NIE NIE wieder Gastfamilie. Ich glaube, dafür bin ich einfach nicht geeignet, aber es war ´ne Erfahrung wert. Nochmal zu den Gründen für den Wechsel nach immerhin 3 Monaten. Diesmal gibt es keinen Grund, der gegen mich spricht, wir kamen gut zurecht, nur haben meine Gasteltern ne eigene Firma und sind deswegen sehr beschäftigt und im Moment fühlen sie sich etwas ausgelaugt und bitten deswegen die Mutter meine Gastmutter, als Unterstützung wieder einzuziehen. Das heißt, sie brauchen mein Zimmer. Das heißt, ich muss gehen. Es war ihnen auch deutlich unangenehm, aber es muss wohl sein. China ist echt nicht schlecht, aber diese Gastfamilienkacke versaut irgendwie das Jahr. Okay, es versaut es nicht unbedingt, aber es macht das Jahr jetzt nicht „zu dem besten Jahr meines Lebens“. Wenn man das von irgendwelchen Austauschschülern liest, dann waren die zu 90% in den USA.

Was gibt’s sonst noch so zu berichten? Es waren letztens 2 Tage Frühling, darauf folgten 4 Tage Regen. Nett, nicht wahr? Ich wird jetzt so langsam mein erstes (und hoffentlich auch einziges) Paket vorbereiten, dass ich schon mal nach Hause schicke, da, ich einfach zu viele Sachen habe. Dabei kaufe ich gar nicht so viel. Ich weiß auch nicht wo das alles her kommt :P Nein, es sind keine Klamotten! Es ist alles und irgendwie auch nichts… Kleinkram. Aber Kleinvieh macht auch Mist, ne?

Gut meine Damen und Herren, mir bleiben noch 3,5 Monate in denen ich mich mit Reis vollstopfen kann und dann eventuell nie wieder in meinem Leben anrühren werde :‘D Okay, eventuell ETWAS übertrieben, aber ähm… er wird irgendwie langweilig. Zum Frühstück kann ich schon lange nicht mehr essen, da kaufe ich mir immer meine Haferflocken. Reissuppe zum Frühstück ist echt das abartigste. Klar, es ist eindeutig sehr praktisch dadurch die Reisreste vom Abendessen zu verwerten, aber geschmacklich ist’s ja nu mal nicht so die Wucht. Genug davon.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und hoffe, dass ihr jedes Mal, wenn ihr Reis esst an mich denkt :) Aber bloß die Stäbchen nicht vergessen!!!

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4 Antworten zu “Erhu, Schokokuchen und Gastfamilie

  1. Kommen auf jeden Fall auch zu Deinem Konzert:-)) Lass Dich die letzte Zeit nicht runterziehen und glaube uns : es war DEFINITIV die beste Entscheidung ins Ausland und nach China zu gehen!!! Wir freuen uns schon sehr auf Deine Berichte, Deine Reissuppen(koch)kenntnisse inklusive Stäbchen- Virtuosität, Dein Erhu- Konzert, Deine Chinesischkenntnisse und vor allem auf Dich! Bis dahin lass Dich fernschriftlich knuddeln und schreibe bitte weiter von Deinen Erlebnissen mit der chinesischen Bevölkerung- finden wir urkomisch und interessant!!!! Bis bald die Peschkes

  2. Wir kommen definitiv auch zum Konzert :-)! Lass Dich die letzte Zeit nicht runterziehen und glaube uns nach China oder überhaupt ins Ausland zu gehen war jedem Fall das Beste was Du tun konntest. Freuen uns schon sehr auf
    Deine Berichte, Dein Erhu- Spiel, Deine Reissuppe, Deine Chinesischkenntnisse und vor allem auf Dich. Aber bis dahin schreibst Du schön weiter über Deine unheimlichen Begegnungen mit der chinesischen Art! Liebe Grüße und gedrückt von den Peschkes

  3. Gisela und Siegfried

    Hallo Cathleen, schönen Dank für die beiden interessanten Berichte!
    Diesmal zum ersten mal auch kritisch/resignierende Töne. Das mit dem
    Gastfamilienwechsel ist auf Dauer nervig. Wir freuen uns schon auf Dein
    Erhu-Konzert in der Heimat!
    Heute kommt Deine Oma zu uns zum Kaffeetrinken; werden schöne Grüße
    bestellen! Herzlichst, Gisela und Siegfried.

  4. Na ja, um den Gastfamilienrekord in China zu brechen, musst du schon ins Zweistellige gehen! Viel Erfolg dabei! ;)

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